Bläuepilze

Von einer Verblauung oder Bläue des Holzes spricht man, wenn ein Holz blau bis grauschwarz verfärbte Stellen aufweist, die durch holzverfärbende Pilze hervorgerufen wurden. Die Verblauung von Holz gilt als Holzfehler und wird bei der Holzsortierung berücksichtigt. Der Holzfehler liegt in der Verfärbung des Holzes, das dadurch für einige Anwendungszwecke unbrauchbar wird.
Die Bläuepilze leben von den Inhaltsstoffen der Holzzellen. Eine Zerstörung des Holzes (Fäulnisbildung) findet nicht statt.

Welche Pilzarten verursachen eine Bläue?

Die Verfärbungen werden durch Pilze der Pilzgruppe der Ascomyceten oder der Fungi imperfecti (Deuteromyceten) verursacht. Bis heute sind etwa 100 bis 250 verschiedene Arten von Bläuepilzen bekannt. Zu den wichtigsten Gattungen der Bläuepilze gehören Ceratocystis (aus der Klasse der Ascomyceten) sowie Aureobasidium, Alternaria und Cladosporium (aus der Klasse der Deuteromyceten). Oft handelt es sich bei einer Verblauung um einen Mischbefall. Zur Bestimmung der einzelnen Arten sind Abimpfungen der Pilze und mikroskopische Untersuchungen erforderlich.

Wie wird das Holz befallen?

Bläueschäden kommen insbesondere an Nadelholz vor. Kiefernhölzer sind besonders gefährdet, doch auch Fichten-, Tannen- oder Lärchenholz sowie bestimmte Laubhölzer wie Buche oder Importhölzer wie z.B. Limba, Ramin oder Brasilkiefer können von Bläuepilzen besiedelt werden.
Die Infektion des Holzes kann auf verschiedene Weise erfolgen. Die Pilzsporen werden durch die Luft, durch Insekten oder durch Regenwasser verbreitet. Je nach Pilzart unterscheiden sich die Infektionswege: So sind einige Pilze auf Insekten angewiesen, andere verbreiten sich ausschließlich mit der Luft. Bläuepilze unterscheiden sich auch durch ihre Ansprüche an den Lebensraum. Wichtige bestimmende Faktoren sind Temperatur und Holzfeuchtigkeit.

Welche Bläuetypen gibt es?

Man unterscheidet Stammholzbläue, Schnittholzbläue und Anstrichbläue.

Stammholzbläue verursachende Pilze befallen sehr feuchtes Holz und können die noch im Wald lagernden Holzstämme besiedeln. Zwar wird saftfrisches Holz nicht befallen, aber schon bei geringer Verminderung der Holzfeuchtigkeit können sich Bläuepilze im Splintholz ausbreiten. Die Stammholzbläue wird vorwiegend durch Ceratocystis und Ophiostoma - Arten hervorgerufen.
(Bild: geschütztes - ungeschütztes, verblautes Rundholz)

Schnittholzbläue verursachende Pilze befallen etwas trockeneres Holz wie zum Beispiel frisch eingeschnittene Bretter und Bohlen. Sie treten nach dem Aufschneiden der Stämme auf Lagerplätzen an nicht ausreichend trockenen sowie schlecht gestapelten Bohlen und Brettern auf. 

Anstrichbläuepilze treten an bereits verarbeitetem, lackiertem oder unlackiertem Holz auf. Feuchtigkeit und Pilzsporen können durch Risse im Lackfilm in das Holz eindringen. Die Bläuepilze wachsen unter der Lackschicht und können diese nach Monaten durch die Bildung von Fruchtkörpern hoch drücken und beschädigen.

Warum wird das Holz blau?

Nach der Keimung der Pilzpore zur Hyphe entsteht nach mehreren Teilungen das Mycel der Bläuepilze. Das Mycel ist zunächst hyalin (glasig, durchscheinend) und breitet sich im Inneren des Holzes vor allem in den Holzstrahlen aus. Im weiteren Verlauf der Entwicklung werden dunkelbraune Pigmente (Melanine) in den Hyphen gebildet. Die blaue Farbe des Holzes kommt durch das Durchschimmern der durch Melanineinlagerungen dunkel gefärbten Hyphen der Bläuepilze zustande. Die blaue Erscheinung des Holzes ist daher ein optischer Effekt. Ein ähnlicher Effekt tritt beim Qualm einer Zigarette auf. Der Rauch erscheint blau obwohl die Ascheteilchen schwarz gefärbt sind. Die Farbe des verblauten Holzes ist abhängig von der Konzentration des Farbstoffes, und somit von der Menge der Hyphen im Holz. Das bedeutet je mehr Hyphen im Holz sind, desto dunkler ist die Verfärbung.

Wie kann ein Bläuebefall verhindert werden?

Die Gefahr eines Befalls durch Stammholzbläue kann durch die richtige Wahl des Fällungszeitpunktes, die Optimierung der Lagerung der Stämme und vor allem durch rasche Aufarbeitung des Holzes deutlich verringert werden.
Während der Trocknungsphase von frisch eingeschnittenem Rundholz im Sägewerk ist die Gefahr eines Befalls durch Schnitholzbläue besonders groß. Temporär wirksame, umweltverträgliche Bläueschutzmittel schützten das Holz während der Trocknungsphase und verhindern so einen massiven Wertverfall des Holzes.
Durch eine fachgerechte Grundimprägnierung z.B. im Doppel-Vakuum-Verfahren wird einem Befall durch  Anstrichbläue sicher vorgebeugt und und so aufwendige Sanierungsmaßnahmen an lackierten Hölzern vermieden.

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Bläuebefall an Kiefern-Schnittholz