Funktionen des Waldes

Nachhaltig bewirtschaftete Wälder erfüllen verschiedene Funktionen zum Wohle von Mensch und Natur. Bedeutend sind Wälder nicht nur als Holzlieferanten sondern insbesondere auch für den Schutz von Boden, Wasser und Klima sowie Flora und Fauna. Als Erholungsraum ist der Wald für den Menschen unverzichtbar.

Nutzfunktion des Waldes

Den Hauptnutzen des Waldes stellt die Gewinnung des wertvollen Rohstoffs Holz dar. Die aktuelle Bundeswaldinventur aus dem Jahre 2006 weist einen jährlichen Zuwachs an Holz von rund 95 Mio. m3 aus. Dem steht ein statistisch erfasster Holzeinschlag von rund 48 Mio. m3 im Durchschnitt der letzten fünf Jahre gegenüber. Darüber hinaus liefern die Wälder Beeren, Pilze, Kräuter und jagdbares Wild.

Holz ist einer der ältesten und wichtigsten Roh- und Werkstoffe der Menschheit. Nach wie vor übersteigt die jährliche Holzproduktion die Mengen an Stahl, Aluminium und Beton. Die Gesamtmenge der weltweit in den Wäldern akkumulierten Holzmasse wurde von der FAO für das Jahr 2005 auf etwa 422 Gigatonnen geschätzt. Jährlich werden derzeit 3,2 Milliarden m³ Rohholz eingeschlagen, davon fast die Hälfte in den Ländern der Tropen. Die höchste jährliche Einschlagsintensität findet sich allerdings mit 2,3 m³ je Hektar in Westeuropa. Bei-nahe 50 % des globalen Holzaufkommens werden als Brennholz verwendet – vornehmlich in den Tropen. Hier ist die Energiegewinnung noch immer die wichtigste Holznutzungsart - der Brennholzanteil in Westeuropa beträgt demgegenüber nur knapp ein Fünftel des Einschlags.

Als Roh- und Werkstoff erlangt Holz eine stark zunehmende Bedeutung, da es nahezu CO2-neutral erzeugt werden kann, sich gut mit ökologischer und nachhaltiger Wirtschaftsweise verträgt, mit geringem Energieaufwand zu verarbeiten ist und vollständig stofflich verwertet werden kann.

Für Deutschland gibt der Holzmarktbericht 2006 des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) für die wichtigsten Nutzholzarten folgende Zahlen an: Fichte (incl. Tanne und Douglasie) rund 37 Mio. m³ – das sind ca. 60 % des gesamten Holzeinschlags von gut 62 Mio. m³ –,Kiefer (incl. Lärche) rund 12 Mio. m³, Rotbuche rund 10 Mio. m³ und Eiche rund 2,5 Mio. m³ – jeweils mit unterschiedlich stark steigender Tendenz. Rund 80 % der gesamten Einschlagsmenge entfallen auf Nadelhölzer.

Schutzfunktion des Waldes

Indem der Abtrag des Bodens durch Wasser und Wind, aber auch Steinschlag und Hangabrutschungen durch das weit verzeigte Wurzelnetz der Bäume verhindert wird, übernimmt der Wald insbesondere in Hanglagen eine Erosionsschutzfunktion. Dabei tragen die Laubbaumarten durch ihre intensivere Durchwurzelung mehr zum Bodenschutz bei als die Nadelbaumarten. Eine besondere Form der Schutzfunktion des Waldes im Gebirge ist der Lawinenschutz. Der Entstehung von Lawinen wird stark vorgebeugt, herabbrechende Lawinen werden durch Wald in ihrer Wucht gebremst und fangen einen großen Teil der Schneemasse ab.

Da der Waldboden ähnlich wie ein Schwamm große Mengen von Wasser speichern kann – bis zu 200 l pro m² – und damit den oberirdischen Abfluss des Wassers verhindert, leistet der Wald einen wichtigen Beitrag zum Wasserschutz. Ist seine Speicherfähigkeit erschöpft, so fließt das Wasser, durch den Boden gefiltert, ab und erhöht das erfassbare Grundwasserangebot. Schmelz- und Regenwasser versickern langsam und werden im Boden zu sauberem Grundwasser gefiltert.

Der Wald puffert tägliche und jährliche Temperaturschwankungen ab, erhöht die Luftfeuchtigkeit und steigert die Taubildung. Infolge der geringeren Sonneneinstrahlung und der höheren Luftfeuchte im Vergleich zum Freiland ist die Waldluft im Sommer meistens kühler als im Freiland und noch mal kühler als in den Städten. Große zusammenhängende Waldflächen in der Nähe von Städten können das Klima positiv beeinflussen, indem die Temperaturunterschiede einen ständigen Luftaustausch bewirken.

Unter der Immissionsschutzfunktion des Waldes versteht man seine Fähigkeit, Aerosole aller Art, Stäube und radioaktive Stoffen aus der Luft zu filtern. Die Filterwirkung von Wäldern ist insbesondere abhängig von der Blattoberfläche. So kann 1 Hektar Fichtenwald 420 kg Schmutzpartikel ausfiltern; ein im Winter kahler Buchenwald gleicher Größe jedoch nur 240 kg Schmutzpartikel. Eine 100 jährige Eiche filtert pro Jahr 1 Tonne Staub aus der Luft: Der Staub setzt sich oben auf den Blättern ab und wird mit dem nächsten Regen in den Boden gewaschen. Gase können hauptsächlich dann aufgenommen werden, wenn die Baumkronen feucht sind und sich die Gase im Regenwasser lösen können. Infolge der bereits erwähnten Klimaunterschiede gelangt reine und qualitativ bessere Luft in die Siedlungsgebiete. Zur Immissionsschutzfunktion des Waldes gehört schließlich auch der Schutz vor Lärm, indem Bäume den Lärm vom Autoverkehr, Industriegebieten, Sportplätzen mindern.

Und nicht zuletzt dient der Wald dem Artenschutz. Viele Tiere, Pflanzen und Pilze haben sich an den Wald als Lebensraum angepasst. In einer ausgewachsenen Eiche mit einer Höhe von 30 bis 50 Metern und bis zu 250 000 Blättern können bis zu 300 Insektenarten leben: Käfer, Schmetterlinge, Blattwanzen und viele, viele andere.

Erholungsfunktion des Waldes

Der Wald wird von den Erholungssuchenden am stärksten als ursprüngliche Natur empfunden. Er ist laut Umfragen nach wie vor die beliebteste Metapher für Natur.
Er bietet den Besuchern Ruhe, Entspannung und ein günstiges Erholungsklima – er ist für viele „Balsam für die Seele“.
Allerdings vollzieht sich seit einigen Jahren eine deutlicher Wandel von reiner Entspannung hin zu Aktiv-Sportarten: Jogging, Mountainbiking, Klettern, Gleitschirmfliegen, Inline-Skating, Radfahren usw. Dennoch nimmt das Wandern nach wie vor den größten Anteil ein.
Um gegenseitige Störungen zu vermeiden, sind an vielen Orten Reit- und Radwanderwege, Mountainbike-Trails sowie Skiloipen ausgewiesen. Spiel- und Grillplätze, Waldparkplätze, Trimm- und Walderlebnispfade vervollständigen das Erholungsangebot für Waldbesucher.

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